Forum Junge Vormärz Forschung


Das Forum Junge Vormärz Forschung ist eine Plattform für Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler, die sich mit dem Vormärz und Themen in dessen Umfeld beschäftigen. Auf dieser Website sind deswegen Namen und Informationen zu aktuellen Forschungsprojekten und -interessen versammelt. Des Weiteren informiert das Forum Vormärz Forschung auf dieser Seite über künftige Aktivitäten des Forums Junge Vormärz Forschung. Das Forum Junge Vormärz Forschung ist gleichfalls Titel der internationalen Studientagungen, welche das Forum Vormärz Forschung e.V. in Kooperation mit der Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal regelmäßig ausrichtet. Junge Forscherinnen und Forscher stellen dort neue Arbeiten zum Vormärz vor.
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8. Studientagung 2017




TeilnehmerInnen des 8. Forums Junge Vormärz Forschung, April 2017 (v.l.n.r.): Amélie Richeux, Ali Zein (RU Bochum), Laura Nippel, Amélie Lelay (HU Berlin), Kathrin Wittler (FU Berlin), Michael Ansel, Bernd Füllner (BU Wuppertal), Melina A. Munz (Univ. Freiburg), Sophia Victoria Krebs, Anne-Rose Meyer (BU Wuppertal).


 
Sophia Victoria Krebs

M.A., Studium der Germanistik, Philosophie und Editions- und Dokumentwissenschaft in Düsseldorf, Marburg und Wuppertal. Dissertation zu Briefsemiotik.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 29. April 2017 auf dem 8. Forum Junge Vormärz Forschung

»Misère, dein Name ist H. H.« Heines Name(n) als paratextuelles Element

Mit der Zeile „[...] Misère, dein Name ist H. H.“ (HSA 23, 1739. HH an Elise Krinitz, 23.1.1856) schloss der kranke Heine seinen Brief an die Mouche vom 23. Januar 1856, wenige Wochen vor seinem Tod. Heine hatte viele Namen: Harry Heine, Christian Johann Heinrich Heine, Henri Heiné – unter dem Namen Heinrich Heine erlangte der Schriftsteller Popularität. Exemplarisch für Heines Informationstaktik und seinen Umgang mit persönlichen Daten soll in diesem Vortrag sein Vexierspiel mit seinen Vornamen, Anagrammen, Traduktionymen anhand von Werken und persönlichen Zeugnissen in Hinblick auf seinen Werkbegriff analysiert werden. Es werden die Dimensionen dieses Spiels mit paratextuellen Elementen mit Fokus auf die persönliche, literarische und ökonomische Bedeutung der Namen unter Berücksichtigung der Onomastik ergründet und der Einfluss des sog. „Preußischen Judenedikts von 1812“ sowie des Diskurses um die speziell jüdische Namensvergabe im Vormärz untersucht.
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Amélie Lelay

Geboren 1988. 2006-2009: Classe préparatoire aux Grandes Ecoles (hypokhâgne und khâgne) und Bachelor in Germanistik in Metz (Frankreich). Master im Fach Neuere Deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin.
Derzeit Promotion an der Humboldt Universität Berlin über Heinrich Heine, Théophile Gautier und Gérard de Nerval.
Forschungsinteresse : Literatur und Geschichte des 19. Jahrhunderts (insbesondere Deutschlands und Frankreichs) , Kulturtransferts, Übersetzungstheorie, Poetik, Ästhetik.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 29. April 2017 auf dem 8. Forum Junge Vormärz Forschung

Théophile Gautier und Gérard de Nerval: eine orientierte Heine-Rezeption?

Heinrich Heine emigrierte 1831 nach Paris und die französische Presse setzte sich auch bald mit dem Dichter auseinander. Die Dichter Théophile Gautier und Gérard de Nerval, die Heines Freunde wurden, präsentierten dem französischen Publikum eine lückenhafte Darstellung Heines, die eine ganz neue Heine-Lektüre in Frankreich prägte und verbreitete. Sie erwähnten die politische Seite des Dichters kaum, und stellten ihn eher als typisch deutschen, romantischen, an Problemen des Alltags uninteressierten Künstler dar. Dies war weniger die Konsequenz eines Missverständnisses als eines Willens, eine ausländische Persönlichkeit zu benutzen um ihre eigenen ästhetischen Ansichten zu legitimieren.
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Melina A. Munz

Seit Februar 2017 Doktorandin am SFB 1015 "Muße. Grenzen, Raumzeitlichkeit, Praktiken." Teilprojekt G4 "Muße im indischen Gegenwartsroman" an der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg
Oktober 2014 - Juni 2016 Master English Literatures and Cultures an der Eberhard Karls Universität Tübingen
2012/2013 Auslandsjahr an der University of Reading, UK
Oktober 2009 - Oktober 2016 Studium Englisch, Germanistik und Geschichtswissenschaft auf Lehramt an der Eberhard Karls Universität Tübingen
Forschungsinteressen: Postkoloniale englischsprachige Literatur und Theorie; indische Literatur; englische und deutsche Romantik

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Abstract des Vortrags, gehalten am 29. April 2017 auf dem 8. Forum Junge Vormärz Forschung

Die Macht der Worte? Politische Dichtung und Aktion bei Lord Byron und Heinrich Heine

Sowohl der englische Lord und notorische Dandy Byron als auch der eher bürgerliche Heinrich Heine attackierten wiederholt verfahrene Strukturen in Politik und Gesellschaft. Während Heines Position in der Dichtung des Vormärz unumstritten scheint, ist der Vergleich mit dem zeitlich vorangegangenen Byron trotzdem aufschlussreich: Zum einen ist dessen Dichtung durch ähnliche soziale Probleme und Fragen politischer Unabhängigkeit charakterisiert und reagiert unmittelbar auf die vergangene französische Revolution und die europäische Restauration. Zum anderen ringen trotz der genannten Unterschiede beide mit ähnlichen Problemen der Dichterrolle: Sie kommentieren in ihrer politischen Dichtung das Verhältnis zwischen bloßen Worten und tatsächlicher Auswirkung auf die politische Situation. Mein Vortrag war an der These orientiert, dass Byron in Don Juan und Heine in Deutschland. Ein Wintermärchen einerseits ein Manifest für die Wirksamkeit der Worte, also der Macht politischen Schreibens, formuliert haben, andererseits die Zweifel an dieser Wirksamkeit nie aufgegeben haben. In ihrer Dichtung finden sie eine Form und damit teilweise Lösung für diese Problematik in der ironischen und satirischen Darstellungsweise.
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Laura Nippel

Humboldt-Universität zu Berlin

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Abstract des Vortrags, gehalten am 29. April 2017 auf dem 8. Forum Junge Vormärz Forschung

Parlamentarische Öffentlichkeit im Vormärz

Die parlamentarische Entwicklung der deutschen Staaten im Vormärz entwickelte sich im Spannungsfeld zwischen liberaler Bewegung und den Karlsbader Beschlüssen, die in den einzelnen Bundesstaaten unterschiedlich rigide umgesetzt wurden. Besonders deutlich treten diese Unterschiede in einem Vergleich der den frühparlamentarischen Versammlungen zugestandenen Öffentlichkeit in den beiden Einzelstaaten Baden und Preußen zutage. Zwar konnten sich die preußischen Landtage schrittweise aus ihrer Isolation befreien, doch blieben sie hinter der Öffentlichkeit der badischen Zweiten Kammer zurück. Der Grad der Publizität und die politischen Spielräume der Parlamente bedingten einander wechselseitig. Der Kampf um Öffentlichkeit war auch ein Kampf um Einfluss und Legitimität zwischen Parlament und monarchischer Obrigkeit.
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Amélie Richeux

Jg. 1982; Studium der Romanistik (Französisch und Spanisch); seit 2015 wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Ruhr-Universität Bochum im Forschungsprojekt »Die Causes célèbres des 19. Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland« (gefördert von der Fritz Thyssen-Stiftung). Promotionsprojekt über die Causes célèbres des 19. Jahrhunderts in Frankreich mit der Arbeit »Construction narrative et transmissions de savoirs anthropologiques dans les Causes célèbres de la France du XIXe siècle« (Arbeitstitel)

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Ali Zein

Jg. 1988; Studium der Komparatistik und Germanistik; seit 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ruhr-Universität Bochum; Promotionsprojekt über die Auseinandersetzung der Kriminalfallsammlung Der neue Pitaval mit der Schwurgerichtsdebatte im Rahmen des Forschungsprojekt »Die Causes célèbres des 19. Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland«.

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Abstract des gemeinsamen Vortrags, gehalten am 29. April 2017 auf dem 8. Forum Junge Vormärz Forschung

Die Causes célèbres des 19. Jahrhunderts in Frankreich und Deutschland. Genre – Korpora – Programmatiken

Der gemeinsame Vortrag skizzierte vergleichend die französische und deutsche Causes-célèbres-Literatur des 19. Jahrhundert.
Das nicht-fiktionale, rechtsbegleitende kriminalliterarische Genre der ‘causes célèbres’, das im 18. Jahrhundert in Frankreich entsteht, ist sowohl in der Aufklärungszeit als auch im 19. Jahrhundert sehr erfolgreich. Die Analyse der Sammlungen aus dem post-revolutionären Zeitalter zeigt, dass die verschiedenen Programmatiken des Genres von den sozio-politischen und juridischen Umbrüchen und Entwicklungen – von der französischen Revolution bis zur dritten Republik – geprägt sind. Ebenfalls wird deutlich, dass die écriture der ‘causes’ von der Expansion der Presse und insbesondere von der juristischen Presse stark beeinflusst ist, so dass das Genre zu Beginn des 20. Jahrhunderts langsam ausstirbt.
Auf deutscher Seite wurde Der neue Pitaval (60 Bde., hg. Julius Eduard Hitzig, Willibald Alexis, Anton Vollert, Leipzig: Brockhaus 1842–1890) vorgestellt. Es wurden die Programmgeschichte und Alexis’ kriminalliterarische Poetik – besonders bezüglich der Schwurgerichtsdebatte und internationalen Kompiliationspraxis skizziert. Alexis kompiliert schwerpunkt-mäßig englische, französische und deutsche Fälle, um einen impliziten Systemvergleich zwischen dem monarchistisch begriffenen Inquisitionsverfahren und liberal-bürgerlich aufgeladenen Schwurgericht am Beispiel von Justizirrtumsfällen durchzuführen. Er verschiebt die Ursachen von der jeweiligen Verhandlungsform zu psychologischen, politischen und sozialen Konfliktfaktoren und bringt die juristische Reformdiskussion als moralische, soziale und politische Debatte mit dem Ziel einer Verteidigung des Schwurgerichts in die Öffentlichkeit.
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Kathrin Wittler

Kathrin Wittler hat ihre Dissertation Morgenländischer Glanz. Eine deutsche jüdische Literaturgeschichte (1750-1850), die von Prof. Dr. Andrea Polaschegg und Prof. Dr. Ernst Osterkamp betreut wurde, Ende 2016 am Institut für deutsche Literatur der Humboldt-Universität zu Berlin verteidigt. Seit März 2017 ist sie wissenschaftliche Mitarbeiterin (Post-Doc) am Lehrstuhl von Prof. Dr. Michael Gamper am Peter-Szondi-Institut für AVL der Freien Universität Berlin. Zu ihren Forschungsinteressen zählen die deutsche und deutsche jüdische Literaturgeschichte vom 18. bis 20. Jahrhundert, Bibel und Literatur, Orientalismus, Buchgeschichte und die literarische Produktivität von Einsamkeit.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 29. April 2017 auf dem 8. Forum Junge Vormärz Forschung

Joel Jacoby (1811-1863). Eine Skandalfigur des Vormärz

Joel Jacoby (1811-1863) erregte in den 1830er Jahren mit einem doppelten Seitenwechsel Aufsehen. Er wechselte vom liberalen Lager in den Dienst der Polizei und konvertierte vom Judentum zum katholischen Glauben. Seinen politischen und religiösen Gesinnungswandel machte er in Zeitungserklärungen, in Streitschriften und in mehreren Gedichtbänden zu einer öffentlichen Angelegenheit. Obwohl er mit zahlreichen wichtigen Persönlichkeiten des literarischen und politischen Lebens Kontakt hatte und an diversen Konflikten maßgeblich beteiligt war, kursieren bis heute nur wenige und fehlerhafte Informationen über die Eckdaten seines Wirkens. Um hier Abhilfe zu schaffen und Jacobys Rollen im literarischen Leben der 1830er bis 1850er Jahre zu erschließen, bereite ich auf der Basis neu erschlossenen (Archiv-)Materials eine fundierte werkbiographische und literatursoziologische Studie vor. Der Vortrag zeigte an ausgewählten Beispielkonstellationen auf, inwiefern sich an den heftigen Reaktionen auf Jacoby gleichsam seismographisch die Konflikte des literarischen Lebens im Vor- und Nachmärz ablesen lassen.
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7. Studientagung 2016




TeilnehmerInnen des 7. Forums Junge Vormärz Forschung, April 2016 (v.l.n.r.): Prof. Wolfgang Lukas (Univ. Wuppertal); Tim Weber, MA (Univ. Mainz); Dr. Philipp Erbentraut (Univ. Frankfurt a.M.); Christoph Valentin, MA (Univ. Münster); Maria Jacob, MA (Univ. des Saarlandes); Dr. Bernd Füllner (Univ. Wuppertal); Giuseppina Cimmino, MA (Univ. Florenz/ Bonn); PD Dr. Anne-Rose Meyer (Univ. Wuppertal); Jun.Prof. Dr. Katharina Schneider (Univ. Paderborn)


 
Giuseppina Cimmino

2004-2011: Studium der deutschen und englischen Philologie, der Sprach- und Übersetzungswissenschaft an der Università degli Studi di Napoli „L'Orientale“. Von Februar 2012 bis Juli 2016 Stipendiatin im Rahmen des internationalen Promotionskollegs „Germanistica Firenze-Bonn“ (Università degli Studi di Firenze, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn), derzeit Beendigung der Promotion an der Universität Bonn. Forschungsinteressen: Poetik, Rhetorik, Ästhetik; Erzähltheorie; Literatur des 19. Jahrhunderts.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Tendenzermittlung und Historisierung. Die zeitdiagnostische Literaturkritik Laubes und Gutzkows

Am Beispiel Laubes Moderner Charakteristiken (1835) und Gutzkows Vergangenheit und Gegenwart (1830-1838) (1839) lassen sich im Gegenwartsdiskurs, der im Vormärz besondere Konjunktur gewinnt, semiotische Leitoperationen und dementsprechende Gegenwartskonzepte bestimmen: als solche gelten die Verfahren der ,Tendenzermittlung‘ und der ,Historisierung‘, die auf entgegengesetzten Gegenwartskonzepten basieren, indem jeweils auf Progression und Zyklik hinweisen. Mit dezidiert struktural-analytischer Herangehensweise kann man feststellen, dass diese Verfahren mittels der formalen und argumentativen Strategien des „Zäsur-Setzens“ (Historisierung), der „Charakteristik“ als Mittel der Zusammenhangsherstellung (Tendenzermittlung) und des Bezugs auf die Zukunft (Historisierung) in den Texten aktualisiert werden. Aus diesen Überlegungen kann man die Konsequenz ziehen, dass die diskursive Auseinandersetzung mit ‚Gegenwart‘ an die Rückbindung an eine wie auch immer geartete Kausalität nicht verzichten kann.

Power-Point-Präsentation zum Vortrag (als PDF-Datei)

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Skizze des Dissertationsprojekts:

Gegenwartskonzepte in der Publizistik und in der philosophischen Ästhetik (1830-1848) (als PDF-Datei)
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Philipp Erbentraut

Geboren 1982; Studium der Politik und Geschichte; 2015 Promotion; seit 2015 Akademischer Rat für Politische Soziologie und Staatstheorie an der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Mythos Anti-Parteien-Affekt

Warum deutsche Vormärz-Intellektuelle in Wirklichkeit vom Segen der politischen Parteien schwärmten

Gab es tatsächlich einen generellen Anti-Parteien-Affekt im deutschen politischen Denken des 19. Jahrhunderts? Philipp Erbentraut argumentiert gegen diesen Mythos und zeigt, dass es im Gegenteil bereits im Vormärz (1815–1848) eine positive und elaborierte Theorie und Soziologie der politischen Parteien gegeben hat, der ein modernes Parteienverständnis zugrunde lag. Er hinterfragt, inwiefern diese Positionen avanciertes politikwissenschaftliches Denken vorwegnahmen und sogar heutige Ansätze der Parteienforschung befruchten könnten. Aktuelle Krisensymptome der Parteiendemokratie wie Politikverdrossenheit, Wahlmüdigkeit oder Mitgliederschwund führt er auf ihre erstmalige theoretische Durchdringung vor beinahe 200 Jahren zurück. Durch die Auswertung von mehr als 250 staatsphilosophischen Quellen kann er belegen, dass quer durch alle politischen Lager dabei freundliche, offen parteienbefürwortende Stellungnahmen überwiegen.

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Pressemitteilung:

Theorie und Soziologie der politischen Parteien im deutschen Vormärz 1815–1848 (als PDF-Datei)
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Katharina G. Schneider

Forschungsschwerpunkte: Historische Bildungsforschung (Konzeptionen politischer Bildung im 19. Jahrhundert; Geschichte des Pädagogikunterrichts, seines Curriculums und seiner Didaktik; Methoden historischer Bildungsforschung), Unterrichtsforschung (Modellierung und Messung kasuistischer Kompetenz im Pädagogikunterricht; Fachdidaktische Modelle und Methoden)

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Publikationen in Auswahl (als PDF-Datei)
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Christoph Valentin

Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Polemik und Feindbildkonstruktion

Die Berichterstattung des Münchener Nuntius Michele Viale Prelà über die Deutschkatholiken 1844/45

Im Vormärz begann die Ultramontanisierung des deutschen Katholizismus. Dieser durch Homogenisierung und romorientierte Zentralisierung gekennzeichnete Prozess wurde maßgeblich von den Apostolischen Nuntien, den Vertretern des Heiligen Stuhles in Deutschland, vorangetrieben. Ihre Berichte bildeten die Grundlage für das Vorgehen der Kurie. Beispielhaft hierfür steht Michele Viale Prelà, der zwischen 1838 und 1845 Nuntius in München war. Seine Berichte über die Deutschkatholiken geben kein differenziertes Bild der Entwicklung dieser ersten modernen Abspaltung von der römisch-katholischen Kirche, sondern schildern sie als eine Sammlungsbewegung von schlechten Katholiken, Protestanten und Kommunisten, die das Ziel verfolge, Thron und Altar zu stürzen. Die Berichte Viale Prelàs stehen dabei paradigmatisch für die kurial-ultramontane Feindbildkonstruktion und tragen maßgeblich zum Verständnis der kurialen Deutschlandpolitik bei.

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Skizze des Dissertationsprojekts:

Die päpstliche Diplomatie und der Aufstieg des Ultramontanismus. Der Apostolische Nuntius Michele Viale Prelà in München (1838-1845) (als PDF-Datei)
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Tim Weber

Interdisziplinäre Dissertation über Georg Büchner und die Volkskunde; Forschungsinteressen: Literaturwissenschaft als Kulturwissenschaft, Editonsphililogie, Erinnerung und Gedächtnis, Erzählkultur und Medialität, Geschichte und Methoden der Germanistik und der Volkskunde.

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Abstract des Vortrags, gehalten am 9. April 2016 auf dem 7. Forum Junge Vormärz Forschung

Kinderfolklore im Woyzeck

Kinder als Dramenfiguren sind in den Woyzeck-Manuskripten eher die Ausnahme. In den ersten beiden Entwurfshandschriften sind sie nicht als Charaktere individualisiert; die Kinderkultur ist Ausdruck einer narrativ konstituierten Volkskultur als Lachkultur (Michail Bachtin), sinn- und identitätsstiftend. Der Herodes-Ringelreihen und das Anti-Märchen der Großmutter sind paradigmatisch für jenen Habitus, der religiöse und gesellschaftliche Institutionen verlacht, indem ein geistlicher Weltentwurf radikal anthropologisiert wird. Mit den Sepulkraltraditionen des Mittelalters und der Frühen Neuzeit greifen Reim und Märchen eine Ikonographie des Leiblichen auf, die sich in den Bilderwelten der Volkskultur religionskritisch und sozialkritisch als immanente Lebenswirklichkeit materialisiert. In der Sprache des Volkes erzählt Georg Büchner in seinem Woyzeck auf diese Weise eine zweite Wahrheit über die Welt.
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