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Call for Papers - 10. Forum Junge Vormärz Forschung, 13. April 2019
 
10. Forum Junge Vormärz Forschung. Neue Arbeiten zum Vormärz und Nachmärz - Vorträge und Diskussionen.
Termin: 13. April 2019.
Bergische Universität Wuppertal. Bewerbungsfrist: 20. Dezember 2018.

Die Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften (Germanistik) der Bergischen Universität Wuppertal und das Forum Vormärz Forschung e.V. veranstalten gemeinsam für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das 10. Forum Junge Vormärz Forschung mit neuen Arbeiten zum Vormärz und Nachmärz. Damit soll einem interdisziplinären Austausch innerhalb der Kulturwissenschaften ein öffentliches Forum geboten werden. Die Tagung findet statt in der Bergischen Universität Wuppertal und wird organisiert von Dr. Bernd Füllner und Prof. Dr. Wolfgang Lukas (Germanistik, Editions- und Dokumentwissenschaft). Die besten vorgetragenen Referate, die von einer Jury ausgewählt werden, werden im Jahrbuch Forum Vormärz Forschung e.V. veröffentlicht.

Anmeldungen für Referate (ca. 25 Min.) sind mit einem kurzen Exposé (höchstens 1 Seite) und einem kurzen CV (mit Lebensdaten) bis zum 20. Dezember 2018 per Mail zu richten an Dr. Bernd Füllner (fuellner@uni-wuppertal.de).

Dr. Bernd Füllner
Forum Vormärz Forschung e.V.
Urdenbacher Dorfstr. 30
40593 Düsseldorf
Tel. 0176 5392 8219
Email: fuellner@uni-wuppertal.de


Prof. Dr. Wolfgang Lukas
Bergische Universität Wuppertal
Gaußstraße 20
42119 Wuppertal
Tel.: 0202 439 2151

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Aufruf zur Mitarbeit am FVF-Jahrbuch 2019
 
Zwischen Emanzipation und Sozialdisziplinierung: Pädagogik im Vormärz

Politische und soziale Reform- und Revolutionsbestrebungen sowie -unternehmungen wurden im Vormärz in vielfacher Weise auf pädagogischem Gebiet verhandelt, initiiert und bekämpft. Pädagogische Institutionen, Handlungen und Ideen wurden mit der Intention verbunden, die sozialen und politischen Zustände im Deutschen Bund zu verändern oder zu erhalten. Oftmals waren sie funktional, umfassten eine Kritik der gegenwärtigen Situation und waren mit auf die Zukunft zielenden sozialen und politischen Hoffnungen sowie mit Vorstellungen über den Menschen als Akteur der pädagogisch zu initiierenden Veränderung verbunden. Pädagogische Fragen wurden entlang der Grenze zwischen religiösen, sozialen und politischen Problemlagen kommuniziert, indem gesellschaftliche und politische Fragen auf pädagogische Fragen projiziert wurden.

Diese ‚Pädagogisierung des Politischen‘ zeigt sich in verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern: So stützte beispielsweise der Ausbau des elementaren und höheren Schulwesens sowie der Lehrerausbildung in den Gebieten des Deutschen Bundes vorwiegend das konservative Ordnungssystem. Trotz restaurativer Bestrebungen von Schulbehörde und Schulaufsicht kam es aber zu Schulreformforderungen durch die politische Opposition. Volksschullehrer traten beispielsweise für professionsspezifische Interessen und für die Verbesserung des Elementarschulwesens ein. Dies war nicht nur mit berufsständischen Ambitionen verbunden, sondern auch mit dem Ziel, breiten Bevölkerungsschichten politische Partizipation zu ermöglichen. Lehrervereine wurden gegründet, Publikationsorgane fungierten den „Schulmännern“ als Medium pädagogischer und politischer Kritik. Auch die frühkindliche Erziehung wurde zum Gebiet politischer Agitation. Im Kontext der Kindergartenbewegung um Friedrich Fröbel wurden Kindergärten und Ausbildungsstätten für Erzieherinnen gegründet. Kindergärten boten durch das neue pädagogische Berufsfeld für Frauen nicht nur Optionen ihrer Emanzipation aus Versorgungsehen, sondern waren auch mit der Intention verbunden, durch standesübergreifende und koedukative Öffnungen die Demokratisierung zukünftiger Bürger zu befördern.

Für die Sozialpädagogik zeigt sich ein ähnlicher Befund. So wurden soziale Krisenerfahrungen durch Pauperismus und Industrialisierung auf pädagogischem Gebiet kommuniziert. Pädagogische Antworten auf die aufkommende „soziale Frage“ suchten beispielsweise Karl Mager, Friedrich Harkort oder Adolph Diesterweg. So geht der Begriff der „Social-Pädagogik“ auf Mager zurück, der diesen 1844 in Reaktion auf das Problem aufsteigender Armut entwickelte. Der Umgang mit der sozialen Frage wurde damit zur Domäne der pädagogischen Verantwortung gemacht.

Auf eine eher gebildete Zielgruppe waren Konzeptionen der Bildung und Erziehung fokussiert, die von demokratischen und liberalen Akteuren mit der Intention der Initiation politischer Reformen oder sogar einer Revolution propagiert wurden. Zeitschriften, Flugblätter und Pamphlete, politische und philosophische Abhandlungen, aber auch Lyrik, Dramen und Romane wurden zum Medium der pädagogischen Agitation, da sie als Instrument politischer Bildung verstanden wurden, die vor allem in bürgerlichen Salons auslagen.

Auf diesen Feldern pädagogischen Handelns wurden verschiedene politische und soziale Themen sowie Glaubensfragen kontrastiv verhandelt. So lässt sich am Beispiel der Publikationstätigkeit der Junghegelianer um die Hallischen Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst zeigen, dass sie Volksbildung als Artikulation und Initiation der Kritik am Bündnis von Religion, Kirche und Politik verstanden, das aufzulösen ein Ziel ihre publizistischen Bestrebungen war.

Am Beispiel der Gründungsschriften der Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht von Johanna und Karl Fröbel lässt sich zeigen, dass Fragen nach weiblichem Lohnerwerb, die Hinterfragung patriarchaler Ehekonstellationen und die Forderung nach weiblicher Mitgestaltung politischer Prozesse virulent wurden. Tätigkeitsfelder der frühkindlichen Bildung wurden gleichsam zur Agitationsfläche der Beteiligung von Frauen an politischen und gesellschaftlichen Diskursen.

Auch in den verschiedenen politischen Lagern wurden pädagogische Herausforderungen im Kontext der Frage der neu zu gründenden Staatsform thematisiert. So lassen sich beispielsweise Unterschiede zwischen liberalen und demokratischen Konzeptionen von Bildung und Erziehung zeigen, da sie auf demokratische oder monarchische Staatsformen bezogen waren.

Die Vielschichtigkeit pädagogischer Theorien und Praktiken im Vormärz zeigt sich besonders im Blick auf Konzeptionen und Unternehmungen, die unter dem Eindruck der Fluchterfahrung, der Emigration und der Aufnahme ausländischer pädagogischer Diskurse entstanden. So wurde die Frage nach dem Verhältnis von Kirche, Schule und Staat sowie von Demokratie und Erziehung in der Schweiz im Rahmen der dortigen Regeneration vehement diskutiert, was von politischen Akteuren aus dem Deutschen Bund, die in die Schweiz geflohen waren, wahrgenommen und im Blick auf die politischen Verhältnisse des Deutschen Bundes verhandelt wurde.

Entgegen der exemplarisch angedeuteten Vielschichtigkeit pädagogischen Denkens und Handelns im Vormärz zeigen sich in der Forschungslage jedoch Desiderate. So wurde das Thema „Pädagogik im Vormärz“ von der Historischen Bildungsforschung, aber auch in der Vormärzforschung bis dato nur wenig wahrgenommen. Ausgehend von diesem Befund fokussiert das geplante Jahrbuch das Thema „Zwischen Emanzipation und Sozialdisziplinierung. Pädagogik im Vormärz“. Erbeten werden Beiträge, die pädagogische Konzeptionen oder Praktiken des Vormärz in verschiedenen pädagogischen Handlungs- und Themenfeldern zum Gegenstand haben. Ein ausdrückliches Interesse besteht auch daran, wie diese in der Literatur der Zeit thematisiert werden.


Maximal zweiseitige Exposés werden bis zum 31.10.2018 erbeten an:

Jun.-Prof. Dr. Katharina Gather (Pädagogik, Universität Paderborn), katharina.gather@upb.de

Prof. Dr. Detlev Kopp (Literatur, Universität Osnabrück), kopp@aisthesis.de

Dr. Frank Stückemann (Volksaufklärung, Kirchen), partisander@gmx.de

Als Redaktionsschluss für die fertigen Beiträge ist der 31.10.2019 vorgesehen.

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Aufruf zur Mitarbeit am FVF-Jahrbuch 2018
 
Menschenrechte im Vormärz

Das Reichsgesetz, betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes vom 20. Dezember 1848 und die Verfassung des deutschen Reichs vom 28.3.1849, Abschnitt VI, enthalten eine Auffassung der Menschenrechte, deren Eigentümlichkeiten – verglichen mit der französischen Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte (1789) und der englischen Bill of Rights – nicht nur der allgemeinen intellektuellen Vormärz-Debatten (z.B. in der Gesellschaft der Menschenrechte von Georg Büchner sowie in den Schriften Heinrich Heines) und den politischen Absichtserklärungen (Offenburger Programm der südwestdeutschen Demokraten, Heppenheimer Programm der südwestdeutschen Liberalen) viel verdanken, sondern auch und vor allem deutschen rechtsphilosophischen Theorien aus der Vormärz-Zeit. Interessanterweise wurden die einschlägigen philosophischen Texte zur französischen Menschenrechtserklärung – von Thomas Paine, Mary Wollstonecraft, August Wilhelm Rehberg, Jeremy Bentham, Friedrich von Gentz – nicht vor, sondern erst nach der Erklärung verfasst, und zwar überwiegend außerhalb Frankreichs. Das Reichsgesetz, betreffend die Grundrechte hat aus der Kritik an der französischen Menschenrechtserklärung gelernt, dass es Menschenrechte weder ohne System der Rechte und Pflichten des Bürgers noch ohne Verankerung in der einschlägigen Organisation der Staatsorgane geben kann, die gleichzeitig die Freiheit und die Einheit des Volkes sichern; außerdem sieht die dem Reichsgesetz zugrunde liegende Auffassung keine Grundrechte ohne Verankerung im zu schützenden geistigen Leben des Volkes vor.

Unter dem Einfluss der Rechts- und Staatsphilosophie J.G. Fichtes und Hegels haben die Philosophen der Vormärz-Zeit rechtsphilosophische Theorien entwickelt, die individuelle Menschenrechte nicht abstrakt, sondern nur in einem „System des Rechts“ (Friedrich von Stahl, I.H. Fichte) gelten lassen, das den Menschen grundsätzlich als gesellschaftliches Wesen betrachtet und dem eine organische und geistige Auffassung der Gesellschaft zugrunde liegt. Typisch dafür ist im Vormärz etwa die Verwendung des Fichte’schen Begriffs vom „Urrecht“, um den fiktionalen, sprich abstrakten Charakter von Menschenrechten prima facie zu betonen (die erst als „Grundrechte“ in einer konkreten Rechtsordnung ihre Wirklichkeit finden), weshalb eher vom „menschlichen Recht“ (Krause) und dessen sittlicher Bestimmung die Rede ist.

Diese Auffassung der Grundrechte findet einen deutlichen Ausdruck im Reichsgesetz, betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes. Neben den traditionellen individuellen Freiheitsrechten (derartige Habeas-Corpus-ähnliche Rechte wie Schutz vor willkürlicher Verhaftung und Hausdurchsuchung (Art. 3) sowie weiteren Rechten auf eine Privatsphäre – z.B. Eigentumsrechte (Art. 8), Briefgeheimnis (Art. 3), Abschaffung der Stände (Art. 2) und freie Berufswahl (Art. 8)) werden im Reichsgesetz, betreffend die Grundrechte des deutschen Volkes auch die Verfahrensregeln (zu den Gerichtsbarkeiten (Art. 9) sowie zur rechtlichen Harmonisierung des Reichs (Art. 1) – und vor allem diejenigen Rechte besonders hervorgehoben, die zum geistigen Leben und zur Partizipation beitragen – Meinungsfreiheit (Art. 4), Gewissens- und Religionsfreiheit (Art. 5), Versammlungsfreiheit (Art. 7) und nicht zuletzt Wissenschaftsfreiheit (Art. 6). Dass nicht nur individuelle Freiheiten gemeint sind, sondern auch die Freiheit und die Selbsterhaltung des Volkes als ein Ganzes, das alle seine Mitglieder einbezieht, zeigen auch Grundrechte, die entweder in weiteren Texten (Minderheitenrechte im Verfassung des deutschen Reiches vom 28. März 1849, Art. XIII §188) oder in den Debatten (z.B. in der monatelangen Debatte über ein Recht auf Arbeit, das im Prinzip nahezu unumstritten war, obwohl das Recht auf Arbeit wegen Uneinigkeit betreffend seiner Umsetzung schließlich nicht angenommen wurde: vgl. Scholler, Die Grundrechtsdiskussion in der Paulskirche, Darmstadt 1973, 33ff.) besonders thematisiert wurden.

Das geplante Jahrbuch 2018 möchte die – vor allem rechtsphilosophische – Inspiration der einzelnen spezifischen Aspekte der Grundrechte des deutschen Volkes von 1848 untersuchen und sowohl ihre Spezifizität verglichen mit früheren und späteren Menschen- und Grundrechtserklärungen als auch ihre Einbettung in die Gesellschaftsauffassung des Vormärz und ihre Verbindung mit der geistigen Bestimmung des Vormärz erforschen.

Themenvorschläge und Abstracts (maximal 1 Seite) werden per E-Mail bis zum 31. Juli 2017 erbeten an:

Prof. Dr. Jean-Christophe Merle (Universität Vechta); E-Mail: jean-christophe.merle@uni-vechta.de

Dr. Sandra Markewitz (Universität Vechta); E-Mail: sandra.markewitz@uni-vechta.de

Als Redaktionsschluss für die fertigen Beiträge ist der 31. Oktober 2018 vorgesehen.

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Einladung zur Rezension von Neuerscheinungen für das Jahrbuch 

Folgende Bücher stehen zur Besprechung im Jahrbuch zur Verfügung. Bitte per Fax oder Brief bei der Geschäftsstelle anfordern (z.Hd. Herrn Dr. Kopp) oder per e-Mail: kopp@aisthesis.de.

  • Thomas Althaus (Hg.): Darstellungsoptik. Bild-Erfassung und Bilderfülle in der Prosa des 19. Jahrhunderts. Bielefeld: Aisthesis, 2018 (395 S.) [enthält zahlreiche Beiträge von FVF-Mitgliedern]
  • Michael Bittner: Die Emanzipation des Fleisches und ihre Gegner. Literarischer Sensualismus zwischen Romantik und Vormärz. Dresden: Thelem, 2016 [495 Seiten]
  • "Das Büchlein ist nun einmal, wie es ist!" Ferdinand Freiligraths Briefwechsel mit August Schnezler. Herausgegeben von Bernd Füllner. Bielefeld: Aisthesis, 2016 (202 Seiten)
  • Manuela Heiniger: Der mündige Bürger. Politische Anthropologie in Jeremias Gotthelfs "Bildern und Sagen aus der Schweiz". Hildesheim u.a.: Olms, 2015 (444 Seiten)
  • Lesebuch Otto Lüning. Zusammengestellt von Walter Gödden. Bielefeld: Aisthesis, 2018 (160 Seiten).
  • Christian Liedtke: Heinrich Heine. Ein ABC. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2015 (240 Seiten)
  • Corinna Meinold: Der Fall als Schreibweise zwischen Literatur und Wissen. Normalisierung in Karl Gutzkows "Unterhaltungen am häuslichen Herd". Würzburg: Königshausen & Neumann, 2016 (219 Seiten)
  • Jörg Schweigard: Friedrich Lehne. Revolutionspoet, Frühdemokrat, Journalist. Obernburg am Main: Logo, 2018 (287 Seiten)
  • Peter Stein: Die Enden vom Lied. Probleme ästhetischer Operativität in der Literatur des deutschen Vormärz. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2017 (468 Seiten)
  • Volksaufklärung ohne Ende? Vom Fortwirken der Aufklärung im 19. Jahrhundert. Hg. von Holger Böning in Zusammenarbeit mit Iwan-Michelangelo D'Aprile und Hanno Schmitt. Bremen: edition lumière, 2018 (525 Seiten)

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