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Aufruf zur Mitarbeit am FVF-Jahrbuch 2020
 
Ästhetik und ästhetische Theorie im Vormärz

Hg. Norbert Otto Eke und Marta Famula

Ungeachtet einzelner Studien (u.a. zu Moriz Carrière) ist die Geschichte der Popularästhetik und der Popularpoetik des 19. Jahrhunderts bislang nicht geschrieben (siehe allein die eigenartige Lücke von einem halben Jahrhundert zwischen der Romantik und Wagner/Nietzsche in den Sammelbänden „Kunstreligion. Ein ästhetisches Konzept der Moderne in seiner historischen Entfaltung. Hg. von Albert Meier, Alessandro Costazzo, Gérard Laudin. Berlin/New York: de Gruyter 2011ff.). Nach wie vor liegt die ästhetische und poetologische Diskussion in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, was ihre Breite und Streuung anbelangt, im Dunkeln.

Auch kulturgeschichtlich klafft eine Lücke auf: Mehrfach wurde auf Tendenzen der Moderne in der Frühromantik um 1800 (Subjektkrise, Sprachkrise, Fragmentarisierung etc.) hingewiesen, (etwa Manfred Frank, 1986, Silvio Vietta, 1992, Andrea Bartl, 2005); das 19. Jahrhundert, vor allem dessen erste Hälfte, jedoch wurde innerhalb dieser Moderne-Konzeption bisher nicht hinlänglich gewürdigt. Dabei verschiebt sich in den Ästhetik-Konzepten des Vormärz mit dem Beginn der Literarisierung von Realität das Paradigma des Schönen in mehrfacher Hinsicht und bleibt kulturtheoretisch, historisch-politisch sowie philosophisch- geistesgeschichtlich neu zu profilieren. Unterschiedliche Aspekte geraten dabei ins Zentrum der Betrachtung: die erstarkende Bedeutung des Sehens, die einerseits im technisierten Blick der modernen Medialität (hierzu etwa Becker 2010, Keppler-Tasaki/Schmidt 2015), andererseits in der philosophischen Ausrichtung der Phänomenologie mündet; die Rolle der Psychologie, deren literarische Darstellung sich mit dem Fortschreiten des realistischen Anspruchs von der romantischen Übersetzung ins Phantastische hin zu realistischen Schilderungen von Krankheitsverläufen verschiebt (Georg Büchner, Eduard Mörike), oder die erstarkende Bedeutung von wissenschaftlichen Ordnungsstrukturen, die den Ästhetik-Begriff auf eine neue Weise begreifen (Adalbert Stifter). Die neue Lebenssituation, die durch ein erstarkendes bürgerliches wie europäisches, politisches Bewusstsein bestimmt ist, stellt die literarische Ästhetik mithin vor neue Herausforderungen, die sowohl in den Konzepten der literarischen Texte als auch in poetologischen Stellungnahmen und theoretischen Positionen problematisiert werden: Neue Konzepte des Schönen, der Kontinuität, der Brüchigkeit und der Kritik, des Verhältnisses von Idee und Realität, von Phänomen und System, von Erscheinung und Abstraktion markieren die Spannbreite der ästhetischen Positionen des Vormärz. Sie sollen im Rahmen des Jahrbuchs ausgelotet und innerhalb der Diskurse des 19. Jahrhunderts kontextualisiert werden.

Von hier aus möchte das Jahrbuch die Möglichkeit bieten, Konzepte des Schönen in der Vormärz-Literatur unter systematischer Befragung der in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zahlreich erschienenen Ästhetiken und Poetiken zu untersuchen und sie zugleich als einen eigenen Baustein innerhalb der Entwicklungslinien zwischen dem 18. Jahrhundert und der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zu verorten. Ideen zur Erforschung dieses Spektrums sind herzlich willkommen.


Bitte schicken Sie Ihr Abstract (bis zu einer DIN A4 Seite) bis zum 23. Dezember 2019 an:

Prof. Dr. Norbert O. Eke, norbert.eke@uni-paderborn.de

Dr. Marta Famula, marta.famula@uni-paderborn.de


Als Abgabetermin für die Beiträge ist der 1. August 2020 geplant.

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Call for Papers - 11. Forum Junge Vormärz Forschung, 25. April 2020
 
11. Forum Junge Vormärz Forschung. Neue Arbeiten zum Vormärz und Nachmärz - Vorträge und Diskussionen.
Termin: 25. April 2020.
Bergische Universität Wuppertal. Bewerbungsfrist: 20. Dezember 2019.

Die Fakultät für Geistes- und Kulturwissenschaften (Germanistik) der Bergischen Universität Wuppertal und das Forum Vormärz Forschung e.V. veranstalten gemeinsam für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das 11. Forum Junge Vormärz Forschung mit neuen Arbeiten zum Vormärz und Nachmärz. Damit soll einem interdisziplinären Austausch innerhalb der Kulturwissenschaften ein öffentliches Forum geboten werden. Die Tagung findet statt in der Bergischen Universität Wuppertal und wird organisiert von Dr. Bernd Füllner und Prof. Dr. Wolfgang Lukas (Germanistik, Editions- und Dokumentwissenschaft). Die besten vorgetragenen Referate, die von einer Jury ausgewählt werden, werden im Jahrbuch Forum Vormärz Forschung e.V. veröffentlicht.

Anmeldungen für Referate (30 Min.) sind mit einem kurzen Exposé (höchstens 1 Seite) und einem kurzen CV (mit Lebensdaten) bis zum 20. Dezember 2019 per Mail zu richten an Dr. Bernd Füllner (fuellner@uni-wuppertal.de).

Dr. Bernd Füllner
Forum Vormärz Forschung e.V.
Urdenbacher Dorfstr. 30
40593 Düsseldorf
Tel. 0176 5392 8219
Email: fuellner@uni-wuppertal.de


Prof. Dr. Wolfgang Lukas
Bergische Universität Wuppertal
Gaußstraße 20
42119 Wuppertal
Tel.: 0202 439 2151

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Aufruf zur Mitarbeit am FVF-Jahrbuch 2019
 
Zwischen Emanzipation und Sozialdisziplinierung: Pädagogik im Vormärz

Politische und soziale Reform- und Revolutionsbestrebungen sowie -unternehmungen wurden im Vormärz in vielfacher Weise auf pädagogischem Gebiet verhandelt, initiiert und bekämpft. Pädagogische Institutionen, Handlungen und Ideen wurden mit der Intention verbunden, die sozialen und politischen Zustände im Deutschen Bund zu verändern oder zu erhalten. Oftmals waren sie funktional, umfassten eine Kritik der gegenwärtigen Situation und waren mit auf die Zukunft zielenden sozialen und politischen Hoffnungen sowie mit Vorstellungen über den Menschen als Akteur der pädagogisch zu initiierenden Veränderung verbunden. Pädagogische Fragen wurden entlang der Grenze zwischen religiösen, sozialen und politischen Problemlagen kommuniziert, indem gesellschaftliche und politische Fragen auf pädagogische Fragen projiziert wurden.

Diese ‚Pädagogisierung des Politischen‘ zeigt sich in verschiedenen pädagogischen Handlungsfeldern: So stützte beispielsweise der Ausbau des elementaren und höheren Schulwesens sowie der Lehrerausbildung in den Gebieten des Deutschen Bundes vorwiegend das konservative Ordnungssystem. Trotz restaurativer Bestrebungen von Schulbehörde und Schulaufsicht kam es aber zu Schulreformforderungen durch die politische Opposition. Volksschullehrer traten beispielsweise für professionsspezifische Interessen und für die Verbesserung des Elementarschulwesens ein. Dies war nicht nur mit berufsständischen Ambitionen verbunden, sondern auch mit dem Ziel, breiten Bevölkerungsschichten politische Partizipation zu ermöglichen. Lehrervereine wurden gegründet, Publikationsorgane fungierten den „Schulmännern“ als Medium pädagogischer und politischer Kritik. Auch die frühkindliche Erziehung wurde zum Gebiet politischer Agitation. Im Kontext der Kindergartenbewegung um Friedrich Fröbel wurden Kindergärten und Ausbildungsstätten für Erzieherinnen gegründet. Kindergärten boten durch das neue pädagogische Berufsfeld für Frauen nicht nur Optionen ihrer Emanzipation aus Versorgungsehen, sondern waren auch mit der Intention verbunden, durch standesübergreifende und koedukative Öffnungen die Demokratisierung zukünftiger Bürger zu befördern.

Für die Sozialpädagogik zeigt sich ein ähnlicher Befund. So wurden soziale Krisenerfahrungen durch Pauperismus und Industrialisierung auf pädagogischem Gebiet kommuniziert. Pädagogische Antworten auf die aufkommende „soziale Frage“ suchten beispielsweise Karl Mager, Friedrich Harkort oder Adolph Diesterweg. So geht der Begriff der „Social-Pädagogik“ auf Mager zurück, der diesen 1844 in Reaktion auf das Problem aufsteigender Armut entwickelte. Der Umgang mit der sozialen Frage wurde damit zur Domäne der pädagogischen Verantwortung gemacht.

Auf eine eher gebildete Zielgruppe waren Konzeptionen der Bildung und Erziehung fokussiert, die von demokratischen und liberalen Akteuren mit der Intention der Initiation politischer Reformen oder sogar einer Revolution propagiert wurden. Zeitschriften, Flugblätter und Pamphlete, politische und philosophische Abhandlungen, aber auch Lyrik, Dramen und Romane wurden zum Medium der pädagogischen Agitation, da sie als Instrument politischer Bildung verstanden wurden, die vor allem in bürgerlichen Salons auslagen.

Auf diesen Feldern pädagogischen Handelns wurden verschiedene politische und soziale Themen sowie Glaubensfragen kontrastiv verhandelt. So lässt sich am Beispiel der Publikationstätigkeit der Junghegelianer um die Hallischen Jahrbücher für Wissenschaft und Kunst zeigen, dass sie Volksbildung als Artikulation und Initiation der Kritik am Bündnis von Religion, Kirche und Politik verstanden, das aufzulösen ein Ziel ihre publizistischen Bestrebungen war.

Am Beispiel der Gründungsschriften der Hamburger Hochschule für das weibliche Geschlecht von Johanna und Karl Fröbel lässt sich zeigen, dass Fragen nach weiblichem Lohnerwerb, die Hinterfragung patriarchaler Ehekonstellationen und die Forderung nach weiblicher Mitgestaltung politischer Prozesse virulent wurden. Tätigkeitsfelder der frühkindlichen Bildung wurden gleichsam zur Agitationsfläche der Beteiligung von Frauen an politischen und gesellschaftlichen Diskursen.

Auch in den verschiedenen politischen Lagern wurden pädagogische Herausforderungen im Kontext der Frage der neu zu gründenden Staatsform thematisiert. So lassen sich beispielsweise Unterschiede zwischen liberalen und demokratischen Konzeptionen von Bildung und Erziehung zeigen, da sie auf demokratische oder monarchische Staatsformen bezogen waren.

Die Vielschichtigkeit pädagogischer Theorien und Praktiken im Vormärz zeigt sich besonders im Blick auf Konzeptionen und Unternehmungen, die unter dem Eindruck der Fluchterfahrung, der Emigration und der Aufnahme ausländischer pädagogischer Diskurse entstanden. So wurde die Frage nach dem Verhältnis von Kirche, Schule und Staat sowie von Demokratie und Erziehung in der Schweiz im Rahmen der dortigen Regeneration vehement diskutiert, was von politischen Akteuren aus dem Deutschen Bund, die in die Schweiz geflohen waren, wahrgenommen und im Blick auf die politischen Verhältnisse des Deutschen Bundes verhandelt wurde.

Entgegen der exemplarisch angedeuteten Vielschichtigkeit pädagogischen Denkens und Handelns im Vormärz zeigen sich in der Forschungslage jedoch Desiderate. So wurde das Thema „Pädagogik im Vormärz“ von der Historischen Bildungsforschung, aber auch in der Vormärzforschung bis dato nur wenig wahrgenommen. Ausgehend von diesem Befund fokussiert das geplante Jahrbuch das Thema „Zwischen Emanzipation und Sozialdisziplinierung. Pädagogik im Vormärz“. Erbeten werden Beiträge, die pädagogische Konzeptionen oder Praktiken des Vormärz in verschiedenen pädagogischen Handlungs- und Themenfeldern zum Gegenstand haben. Ein ausdrückliches Interesse besteht auch daran, wie diese in der Literatur der Zeit thematisiert werden.


Maximal zweiseitige Exposés werden bis zum 31.10.2018 erbeten an:

Jun.-Prof. Dr. Katharina Gather (Pädagogik, Universität Paderborn), katharina.gather@upb.de

Prof. Dr. Detlev Kopp (Literatur, Universität Osnabrück), kopp@aisthesis.de

Dr. Frank Stückemann (Volksaufklärung, Kirchen), partisander@gmx.de

Als Redaktionsschluss für die fertigen Beiträge ist der 31.10.2019 vorgesehen.

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Einladung zur Rezension von Neuerscheinungen für das Jahrbuch 

Folgende Bücher stehen zur Besprechung im Jahrbuch zur Verfügung. Bitte per Fax oder Brief bei der Geschäftsstelle anfordern (z.Hd. Herrn Dr. Kopp) oder per e-Mail: kopp@aisthesis.de.

  • Thomas Althaus (Hg.): Darstellungsoptik. Bild-Erfassung und Bilderfülle in der Prosa des 19. Jahrhunderts. Bielefeld: Aisthesis, 2018 (395 S.) [enthält zahlreiche Beiträge von FVF-Mitgliedern]
  • Johannes Brambora: Von Hungerlöhnern, Fabriktyrannen und dem Ideal ihrer Versöhnung. Der Beitrag des populären Romans zur Entstehung eines sozialen Erklärungsmusters ökonomischer Gegensätze der Industrialisierung. 1845-1862. Bielefeld: Aisthesis 2020 (336 Seiten)
  • "Das Büchlein ist nun einmal, wie es ist!" Ferdinand Freiligraths Briefwechsel mit August Schnezler. Herausgegeben von Bernd Füllner. Bielefeld: Aisthesis, 2016 (202 Seiten)
  • Lesebuch Otto Lüning. Zusammengestellt von Walter Gödden. Bielefeld: Aisthesis, 2018 (160 Seiten).
  • Christian Liedtke: Heinrich Heine. Ein ABC. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2015 (240 Seiten)
  • Corinna Meinold: Der Fall als Schreibweise zwischen Literatur und Wissen. Normalisierung in Karl Gutzkows "Unterhaltungen am häuslichen Herd". Würzburg: Königshausen & Neumann, 2016 (219 Seiten)
  • Norbert Otto: Julian Schmidt - Eine Spurensuche. Hildesheim - Zürich - New York: Olms, 2018 (252 Seiten)
  • Peter Stein: Die Enden vom Lied. Probleme ästhetischer Operativität in der Literatur des deutschen Vormärz. Würzburg: Königshausen & Neumann, 2017 (468 Seiten)

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